Die größeren und touristisch beliebteren Orte Sri Lankas sind alle mit einem gut funktionierenden öffentlichen Busnetz verbunden, welches das individuelle Reisen durch Sri Lanka sehr vereinfacht. Noch dazu ist es die mit Abstand günstigste Methode in Sri Lanka über weitere Strecken voranzukommen. Wir sind 4 Wochen fast ausschließlich mit dem Local Bus unterwegs gewesen und ohne Probleme vom Westen in den Nordosten, bis zum Süden und wieder zurück in den Westen der Insel gekommen (In diesem Beitrag findest du unsere beschriebene Route durch Sri Lanka: „Sri Lanka – Perle im Indischen Ozean“). Auch wenn wir zu Beginn noch überhaupt keinen Schimmer hatten, wie das mit dem Busfahren hier funktioniert, waren wir am Ende, nach insgesamt 11 längeren Busfahrten richtige Profis, was den Ablauf betrifft. Damit ihr mögliche Scheu davor verliert und euch ein bisschen vorbereiten könnt, gebe ich hier unsere Erfahrungen im Detail weiter:
Die öffentlichen Busse Sri Lankas:
Die Busse in Sri Lanka sind nicht zu übersehen. Sie sind bunt und schrill und, so wie wir es beobachtet haben, definitiv die wildesten Verkehrsteilnehmer. Besonders ängstlichen Menschen würde ich den Bus als Transportmittel vermutlich nur empfehlen, wenn sie bereit sind durch ihre Angst zu gehen, um sie möglicherweise so zu überwinden. Besonders unsere Fahrt mit dem Express-Bus erinnerte uns mehr an eine rasante Fahrt mit einem Fahrgeschäft im Vergnügungspark. Aber ich will euch hier auf keinen Fall abschrecken – wie schon erwähnt, sind wir sehr oft damit gefahren und immer gut angekommen. Schließlich werden die Busse nicht erst seit gestern gefahren und diese „Könige der Straßen“ wirken als wüssten sie ganz genau, was sie tun. Ein bisschen Urvertrauen bei Fahrtantritt mitzubringen ist jedenfalls mit Sicherheit kein Fehler, um die Fahrt, so wie wir auch, genießen zu können.
Im Inneren der Busse gibt es klarerweise Sitzplätze und zwar meistens in Form von leicht gepolsterten Bänken. Oft sind diese schon ziemlich in die Jahre gekommen und manchmal ist der Bezug auch etwas löchrig. Die zwei Türen (eine vorne, eine hinten) sind auch während der Fahrt durchgehend geöffnet, damit an den vielen Haltestellen Menschen möglichst schnell ein- und aussteigen können. Außerdem ist es sehr angenehm den Fahrtwind dabei etwas abzubekommen, weil es im Bus auch sehr heiß werden kann. Wir haben uns daher oft gerne im hinteren Bereich zur Tür gesetzt, wenn wir die Wahlmöglichkeit hatten. Es gibt meistens auch die Chance die Fenster mit Schieberegler zu öffnen, wenn der nicht gerade defekt ist.
Wie bekomme ich ein Ticket?
Einfacher und unkomplizierter haben wir es sonst noch nirgendwo erlebt. Man braucht sich im Vorfeld um absolut nichts kümmern und könnte das theoretisch auch gar nicht. Die Tickets gibt es nämlich erst direkt im Bus während der Fahrt. Man muss sich nur vorab erkundigen in welchen Bus man einsteigen muss und wann er ungefähr am Busbahnhof abfährt. Die Abfahrtszeiten sind allerdings eher Richtwerte und es ist sehr hilfreich mindestens 30 Minuten davor schon aufzutauchen. Die Busse stehen oft bereits dort und man kann dann in Ruhe Platz für sein Gepäck suchen und den passenden Sitzplatz wählen. Sobald der Bus losfährt geht der „Conductor“ durch die Reihen und kassiert für die Fahrt. Er hat meistens ein kleines Gerät am Arm, in das er die Strecke eintippt und das dann eine kleine Rechnung ausdruckt. Ihm sagt man an welcher Haltestelle bzw. an welchem Ort man aussteigen möchte und er berechnet dann den Preis, den man direkt in bar bezahlt. Für uns waren diese Schaffner ein absolutes Phänomen, denn sie hatten stets den kompletten Überblick, wer neu zugestiegen ist und wer wo und wann auszusteigen hatte. Für Touristen sind sie in dem Fall sehr hilfreich. Wir haben den Schaffner beim Bezahlen jedes Mal gefragt, ob er uns sagen kann, wo wir raus müssen. Kurz vor unserer Haltestelle gab er uns dann immer ein Zeichen, was wunderbar funktioniert hat.
Was kostet eine Busfahrt in Sri Lanka?
Die Kosten für die Bustickets unterscheiden sich natürlich je nach Länge der Strecke und manchmal auch nach Art des Busses. Im Prinzip ist das alles aber total nebensächlich, da das Busfahren mit den öffentlichen Bussen in Sri Lanka an sich unsagbar günstig ist. Die längste und teuerste Strecke war während unserer Reise von Negombo nach Anuradhapura. Wir sind durch Zufall in einem Express-Bus gelandet und deshalb statt 5,5 Stunden nur um die 3 Stunden gefahren. Für die Tickets haben wir umgerechnet ca. € 2,20 pro Person bezahlt. Teurer wurde es für uns in den ganzen 4 Wochen nicht. Die restlichen Strecken waren oft zwischen einer und drei Stunden mit dem „normalen“ Bus und da haben wir meistens so zwischen € 0,30 und € 1,20 pro Ticket bezahlt.
Was mache ich mit meinem Gepäck während der Fahrt?
Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Wir sind immer mit unseren größeren Handgepäck-Rucksäcken, mit jeweils einem kleineren Daypack und meist noch einer Tasche oder einem Beutel extra gereist. Manche Busse haben hinten außen am Bus ein Gepäckfach angebracht, wie eine Art Kofferraum. Die größeren Rucksäcke wurden in dem Fall dann immer dort aufbewahrt. Sehr heikel darf man aber nicht sein, denn unsere Rucksäcke hatten danach oft irgendwelche Flecken, da der Kofferraum einfach nicht super sauber ist. Gibt es keinen Kofferraum, dann gibt es immer die Möglichkeit vorne neben dem Fahrer größere Rucksäcke oder Taschen zu lagern. Dort ist ein kleiner Bereich mit einem Geländer drumherum, in das man die Gepäckstücke legen kann. Natürlich liegen sie dann nicht befestigt dort und rutschen ein wenig herum. Ein einziges Mal haben wir während einer Express-Bus-Fahrt miterlebt, dass es in einer Kurve einen Rucksack (zum Glück nicht unseren) aus der offenen Tür geschleudert hat. Der Bus hat sich sofort eingebremst und der Schaffner den Rucksack von der Straße wieder eingesammelt. Im Grunde ist nichts passiert. Laptops oder andere zerbrechlichen Dinge sollte man allerdings eher nicht in den Rucksäcken lagern, die man vorne abgibt, aber das macht man ja sowieso nicht. Unsere Daypacks mit Laptops und anderer Technik hatten wir immer auf unserem Schoß oder zwischen den Füßen am Boden stehen. Während einer Fahrt konnten wir auch einmal alle Rucksäcke in der letzten Reihe neben uns verstauen. Das wird aber nicht so gerne gesehen, da dann natürlich weniger Sitzplätze für Fahrgäste frei sind und die Busse während der Fahrt auf manchen Strecken ganz schön voll werden können.
Für uns war bei Fahrtantritt in den meisten Fällen also der erste Weg zum Fahrer nach vorne, um die Rucksäcke neben ihm zu verstauen. Man kann seinen Rucksack, wenn man das möchte und man sich damit sicherer fühlt, auch an dem Geländer befestigen, wenn man eine Schnur oder ähnliches dabei hat. An unseren Rucksäcken hängen außen z.B. immer Karabiner, was dann hilfreich war, um die Rucksäcke zumindest miteinander zu verbinden.
Wie finde ich den richtigen Bus und wo steige ich ein und aus?
Wir hatten beim Planen unserer Busrouten ganz oft Hilfe von unseren Hosts in den jeweiligen Unterkünften. Da wir fast ausschließlich in günstigen Homestays von Einheimischen übernachtet haben, konnten wir da ganz einfach nachfragen und ausnahmslos alle waren sehr bemüht uns weiterzuhelfen.
Um sich einen Überblick zu verschaffen, habe ich zusätzlich häufig auf der folgenden Website nach Busverbindungen und Zeitplänen gesucht: hier
In vielen größeren Orten gibt es Busbahnhöfe und dort einzusteigen ist unserer Erfahrung nach am einfachsten. Dorthin sind wir entweder spaziert oder haben uns per Tuk Tuk fahren lassen. Wenn man unsicher ist, welcher Bus der richtige ist, dann kann man überall einfach nachfragen und einem wird erfahrungsgemäß immer geholfen. In kleineren Orten, wie beispielsweise Mirissa, in denen es keine großen Busbahnhöfe gibt, steigt man bei den Haltestellen am Straßenrand zu. Das ist ein wenig kniffliger, aber ebenso machbar. Die Bushaltestellen sind nicht immer deutlich erkennbar. Meistens steht ein blaues Verkehrsschild mit einem Bus darauf abgebildet an der Seite, aber oft bleiben die Busse einfach an bestimmten Stellen am Straßenrand stehen. Die Einheimischen kennen die Stationen schon und so findet man auch keine Schilder mit Haltestellennamen oder Ähnlichem. Hier ist es auch immer sehr ratsam die Hilfe von Einheimischen anzunehmen. Es funktioniert nämlich so, dass man dort am Rand steht, während viele verschiedene Busse vorbeifahren und man den passenden Bus dann einfach von Weitem heranwinkt. Nicht immer kann man als Tourist den Namen oben auf der Tafel vom Bus so schnell erkennen und die Einheimischen sind da definitiv geübter darin. Dreimal auf unserer Reise sind wir so zugestiegen und jedes Mal hatten wir ein wenig Hilfe dabei, sodass alles wunderbar klappte. Einmal war dabei der Bus sogar schon ziemlich voll, aber uns wurde im Bus sofort dabei geholfen unsere Rucksäcke zu verstauen und es wurde zusammengerutscht bzw. jemand stand auf, damit wir uns setzen konnten. Die Gastfreundschaft ist hier wirklich unübertroffen und man braucht sich absolut keine Sorgen zu machen. Oft kommt man mit den anderen Fahrgästen ein bisschen ins Gespräch und wir wurden ganz häufig freundlich angelächelt.
Da meistens die größeren Orte unser Ziel waren, war das Aussteigen mit ein wenig Hilfe des Conductors eigentlich immer einfach. Ein einziges Mal, in Dambulla, mussten wir allerdings irgendwo mittendrin aussteigen, denn dort war eine Haltestelle fast gegenüber unseres Homestays. Hier hätten wir nicht gewusst, wie wir dem Schaffner überhaupt auch nur ansatzweise erklären sollen, wo wir aussteigen wollen. Diese Herausforderung lösten wir dann aber ganz einfach, indem wir mit dem Host dieses Homestays ausmachten, dass wir ihn anrufen sobald wir im Bus sind (hier empfiehlt sich wieder eine Local Simcard!). Dann gaben wir das Handy an den Conductor weiter und der Host erklärte es ihm genau. Der Schaffner gab uns dann an der passenden Stelle ein Zeichen und so klappte auch diese Fahrt für uns wunderbar.
Gibt es Pausen während der Fahrt?
Nicht immer, aber manchmal wurde bei längeren Fahrten in einzelnen Orten eine kurze Pause eingelegt. Dort stiegen dann einige Leute aus und kauften sich Snacks oder Getränke. Es empfiehlt sich aber auf jeden Fall vor Fahrtantritt auf die Toilette zu gehen, da es in den Bussen jedenfalls keine gibt und die Pausen eher unsicher sind bzw. man auch nicht weiß, wann der Bus wieder weiterfährt. Bei all unseren Fahrten war es so, dass entweder gleich zu Beginn oder auch manchmal zwischendurch Verkäufer eingestiegen sind, dann einmal komplett durch den Bus gewandert sind und dabei Snacks und Getränke verkauft haben. Danach stiegen sie wieder aus und die Fahrt wurde fortgesetzt. Wir haben uns immer schon zuvor mit ein paar Snacks, wie Cracker und Erdnüsse eingedeckt und daher bei diesen Verkäufern nie etwas gekauft. Es wurden aber oft Nüsse und Früchte angeboten und viele hatten einen Korb mit gebackenen Bällchen mit Schrimps oder Ähnlichem mit. Es muss einem hier aber bewusst sein, dass diese Snacks oft einfach lose im Korb liegen und häufig Fliegen darauf sitzen.
Fazit:
Wir persönlich haben das Busfahren in Sri Lanka geliebt. Es war eine unglaublich günstige Möglichkeit von A nach B zu gelangen. Während der Fahrt konnte man außerdem so wunderbare Natur und viele kleinere Orte sehen, sodass die Fahrtzeit auch jedes Mal wie im Flug verging. Zusätzlich fühlt man sich dabei den Einheimischen in ihrem Alltag so nah wie sonst nie und bekommt hier eine sehr authentische Portion Sri Lanka für dieses wirklich kleine Geld. Wir würden auf jeder Sri Lanka-Reise wieder dieses praktische Transportmittel nutzen.
Und jetzt ihr! Sind Fragen offen geblieben oder habt ihr andere Anmerkungen zum Busfahren in Sri Lanka? Schreibt es gerne unten in die Kommentare.
Alles Liebe
