Jodhpur - "Blue City":
Jodhpur ist eine Stadt mit ca. 1,1 Mio. Einwohnern (Daten aus 2011) im nordindischen Bundesstaat Rajasthan. Sie gilt als beliebtes Reiseziel mit mehreren Palästen, Festungen und Tempeln und liegt am Ostrand der indischen Thar-Wüste. „Blue City“ wird sie aufgrund der Häuserfarbe, die in der Innenstadt vorherrscht, genannt. Traditionell kennzeichnete die Farbe Blau die Zugehörigkeit der Bewohner zur (höchsten) Kaste der Brahmanen, allerdings haben heute auch Nicht-Brahmanen diesen Brauch in Jodhpur übernommen. Man sagt der Farbe außerdem nach, dass sie ein effektives Mittel zur Abwehr von Moskitos sei und im Sommer die Häuser kühler halten soll. Auch wir fanden, dass die blauen Gebäude der Stadt ein besonders attraktives Erscheinungsbild verleihen. In den kleinen, engen und verwinkelten Gassen der Altstadt kommt man problemlos zu Fuß herum und auch das Meherangarh Fort konnten wir auf eigene Faust erkunden. Die Innenstadt wirkte auf uns nicht sehr groß und ziemlich entspannt.









Unsere Anreise nach Jodhpur:
Nach Jodhpur reisten wir die 378 Kilometer von Jaipur aus wieder mit dem Zug. Wir waren ca. sechseinhalb Stunden unterwegs, hatten Tickets für die 2A-AC Hochbett-Schlafwagen-Klasse (Sleeper) und bezahlten dafür ca. € 14,80 pro Person. Vom Bahnhof stiegen wir in ein Tuk Tuk, dessen Fahrer uns in unsere Unterkunft in der Altstadt brachte.



Unsere Low(er)-Budget Unterkunft in Jodhpur:
Bhavyam Heritage Guest House: In diesem hübschen, blauen Hotel in der Nähe des Forts hatten wir ein Zimmer für umgerechnet ca. € 15,35 pro Nacht und blieben insgesamt vier. Es gab einen jungen Mitarbeiter, der sich um die Anliegen der Gäste kümmerte und der, soweit ich mitbekommen habe, oben auf der Dachterrasse in einem kleinen Zimmer schlief. Laut früheren Bewertungen gab es auf besagter Dachterrasse auch einmal ein Restaurant, welches aber zur Zeit unseres Besuches nicht geöffnet hatte. Das Zimmer war wirklich schön und auch das Badezimmer war sehr in Ordnung. Da unser Zug zur Weiterreise erst spät ging, waren die Besitzer so freundlich und ließen uns unser Gepäck bei ihnen für ein paar Stunden in einem Raum unterstellen.





Unsere Aktivitäten & Sehenswürdigkeiten in Jodhpur:
Ghanta Ghar: Den „Uhrturm von Rajasthan“ kann man sehr gut zu Fuß von der Altstadt aus erreichen. Man sieht ihn schon von Weitem und wenn man ihn erreicht, kann man den um ihn herum liegenden Markt gleich mitbestaunen. Dort bieten z.B. Damen am Boden bunte Tücher an und es gibt auch eine Vielzahl an Tuk Tuks, in die man dort für eine Weiterfahrt steigen kann. Den Uhrturm selbst kann man angeblich kostenlos besteigen, was wir allerdings ausgelassen haben.


Mandore Garden: Diese Parkanlage befindet sich etwas weiter weg, weshalb sich eine Tuk Tuk-Fahrt dorthin anbietet. Der Eintritt beträgt nur 25 Rupien pro Person (= ca. € 0,30). In der Anlage gibt es einige Mausoleen und Tempel zu sehen und auch einige Hanuman-Languren. Damit mir nicht langweilig wurde, während Consti dort auf der Toilette war und ich auf ihn wartete, gab es ein Foto-Shooting mit ein paar indischen Männern obendrauf. Viele Inder lieben es ja Selfies mit westlich aussehenden Menschen zu machen. Als wir beide wieder auf dem Weg aus dem Park hinaus waren, posierten wir auch noch zweimal gemeinsam mit indischen Familien und deren Kindern. Alle haben freundlich gefragt und sich im Anschluss sehr über die Fotos gefreut. Warum auch nicht? Wir waren ohnehin sehr entspannt nach unserem Spaziergang im hübschen Park.











Meherangarh Fort: Das Fort ist wohl die beliebteste Sehenswürdigkeit in Jodhpur und wie wir finden auch zu Recht. Es ist zu Fuß von der Altstadt aus gut zu erreichen. Wir haben 600 Rupien (= ca. € 6,80) für den Eintritt bezahlt und hatten dafür einen gratis Audioguide dabei, bei dem man sogar als Sprache „Deutsch“ wählen konnte. Für den Audioguide mussten wir ein Pfand dort lassen. Die Mitarbeiter wollten einen Ausweis (z.B. Führerschein), aber weil wir keinen dabei hatten, konnten wir für jeden Audioguide 500 Rupien dort lassen. Wir bekamen eine Quittung, auf der alles genau vermerkt war, und mit diesem kleinen Zettel auch am Ende unser Geld wieder ohne Probleme zurück. Vom Hügel auf dem das Fort thront hat man einen wirklich wunderbaren Ausblick auf die blaue Stadt. Mit dem Audioguide kann man richtig tief in die Geschichte des Forts eintauchen. Es gibt viel zu sehen und hören und wir waren bestimmt um die 2 Stunden gut beschäftigt.













Toorji Ka Jhalra Bavdi: Hierbei handelt es sich um einen gut erhaltenen Stufenbrunnen in der Altstadt, der angeblich in den Monsunmonaten Juni bis September auch mit Wasser gefüllt ist.


Lokale und Restaurants in Jodhpur:
The Blue Moon: Hier waren wir durch Zufall noch an unserem letzten Tag essen, da wir so viel Zeit hatten aufgrund der Verspätung unseres Zuges. Es hat uns außerordentlich gut geschmeckt und die Preise waren mehr als in Ordnung. Hätten wir dieses kleine Juwel schon vorher entdeckt, hätten wir bestimmt noch ein zweites Mal auf dieser Dachterrasse gegessen. Das hier war am Ende ganz klar unser Favorit in Jodhpur.
- Für 1x Mix. Veg., 1x Dal Fry, 4x Roti und 1x Wasser bezahlten wir umgerechnet ca. € 6,20.


The Coffee Shop by Musafir Cafe: Das hier ist das kleine Kaffeehaus, welches zu einem Restaurant ums Eck gehört. Der Eingang befindet sich aber direkt neben „Mumma’s homemade Breakfast“ und war selbst nicht auf Google Maps eingezeichnet. Hier haben wir den besten Kaffee in Jodhpur getrunken und es gab zu meiner Freude Cappuccino mit verschiedenen pflanzlichen Milchalternativen. Die Kaffeemaschine wird ausschließlich mit Flaschen- und nicht mit Leitungswasser befüllt, was wir auch selbst gesehen haben.
- Für 1x Americano und 1x Soja-Cappuccino bezahlten wir umgerechnet ca. € 3,50.



Sam’s Art Cafe: Dieses Café gleicht mit seinen Bildern und Figuren einem kleinen Museum. Es hat eine sehr angenehme Atmosphäre und man sitzt in schönen, weichen Sofasesseln. Besonders toll fand ich natürlich, dass es Cappuccino mit Sojamilch gab. Wir haben dort täglich gefrühstückt, auch wenn es preislich im etwas höheren Bereich angesiedelt war.
- Für 1x Soja-Cappuccino, 1x Americano, 1x Wasser, 1x Fruitbowl, 1x Banana-Pancakes und 1x Hummus mit Pita bezahlten wir umgerechnet ca. € 13,-.



Cafe Laalten: In diesem Rooftop-Restaurant waren wir zweimal essen. Ausblick gab es während unseres Aufenthaltes keinen, da die Dachterrasse wegen Umbauten gesperrt war. Der Koch meinte, dass gerade noch eine Etage oben dazu gebaut wird, damit der Ausblick noch besser wird. Beim ersten Mal war ich vom Essen sehr angetan, weshalb ich beim zweiten Besuch nochmal das gleiche Gericht bestellte. Leider schmeckte es dann aber ganz anders, war viel fettiger, mir vom Schärfegrad her viel zu mild/langweilig und mein Körper brauchte in der darauffolgenden Nacht etwas Zeit, um damit fertigzuwerden. Warum unsere Erfahrung dort so unterschiedlich war, kann ich nicht sagen. Es ist aber natürlich eine sehr individuelle Sache, dass ich es nicht mag, wenn beim Kochen sehr viel Butter oder Ghee verwendet wird.
- Für 1x Mix. Veg., 1x Chana Masala, 2x Roti, 1x Garlic Naan, 1x Bier und 2x Wasser bezahlten wir umgerechnet ca. € 10,20.


Acharya Rooftop Restaurant: Dieses Restaurant hatten wir überhaupt nicht selbst rausgesucht. Es lag einfach an unserem täglichen Weg vom Hotel hinunter und der Vater dieses Familienrestaurants stand jedes Mal am Straßenrand und sprach uns an. Er machte Werbung für das Essen seiner Frau und lobte besonders ihr indisches Thali-Set, welches er uns zu probieren sehr ans Herz legte. Er kam uns zu Beginn ein wenig aufdringlich vor, was aber auch an der Betelnuss gelegen haben konnte, die er vermutlich gekaut hatte. Jedenfalls ließen seine roten Zähne darauf schließen. Er schlug vor, dass wir uns die Google-Bewertungen durchlesen sollten und, wenn sie uns zusagen würden, auch essen kommen sollten. Die Bewertungen waren tatsächlich sehr gut, also besuchten wir das Lokal einmal zum Abendessen. Auf das Thali-Set hatten wir allerdings keine Lust und bestellten Dosa und Samosas. Das Essen war ganz gut, leider wurde auf die Hälfte der Bestellung vergessen, weshalb alles sehr lange dauerte. Beim Bezahlen fragte mich die Köchin und Mutter, ob sie mir eine Henna-Bemalung an der Hand machen dürfe. Sie bemalte meinen Handrücken und zwei Finger und verlangte dafür 150 Rupien (= € 1,70). Sie erzählte, dass sie Henna-Lehrerin war und auch Koch-Kurse gab. Wir fanden alle ganz nett, aber ein wenig zu offensiv für unseren Geschmack.
- Für 2x Masala Dosa, 2x Veg. Samosa, 1x Bier und 1x Henna-Bemalung an der Hand bezahlten wir umgerechnet ca. € 12,40.




Wilburys Cafe and Restaurant: Besonders abends und nachts ist der Ausblick über das Lichtermeer von Jodhpur dort wunderschön. Man sitzt direkt unterhalb des Forts auf einer netten Dachterrasse und kann, wenn man möchte, noch auf ein kleines Plateau mit zwei Tischen weiter hinaufgehen. Der Ausblick ist toll, das Essen war für uns persönlich geschmacklich eher mittelmäßig. Wir waren die einzigen Gäste während unseres Besuchs.
- Für 1x Wasser, 1x Chana Masala, 1x Paneer Butter Masala, 1x Garlic Naan und 1x Plain Naan bezahlten wir umgerechnet ca. € 7,90.



Weiterreise zu unserem nächsten Stopp:
Von Jodhpur ging es für uns mit dem Zug weiter nach Jaisalmer. Es war erst etwas unsicher, ob wir mit dem Zug fahren können, da von unseren Tickets ein Platz nur auf der Warteliste war. Glücklicherweise wurde er aber noch rechtzeitig als Fixplatz bestätigt und wir mussten keine zusätzlichen Bustickets buchen. Die Zugfahrt dauerte für die 294 km nicht ganz 6 Stunden und die Tickets für den 2A-AC Schlafwagen kosteten uns € 12,38 pro Person, die wir wie immer über die Plattform „12go Asia“ lange im Voraus gebucht hatten. Obwohl eines unserer Tickets erst später als Fixplatz bestätigt wurde, waren wir zum Glück im selben Waggon untergebracht. Unsere Liegen wären ein Stück voneinander entfernt gewesen, aber scheinbar wurden noch mehrere Tickets gecancelt, denn ich konnte auf die leere Liege oberhalb von Consti umziehen. Der Zug war diesmal zwei Stunden verspätet, weshalb wir dann erst nach Mitternacht am Zielort ankamen.

Das war unser Abenteuer in Jodhpur. Was sagst du dazu? Könntest du dir vorstellen nach Jodhpur zu reisen? Warst du vielleicht sogar bereits dort und hast ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht? Lass mich gerne an deinen Gedanken oder Erfahrungen teilhaben. Sollten noch Fragen offen sein, schreibe ebenfalls gerne einen Kommentar unten.
Alles Liebe
Jasmin
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