Kochi

Kochi - Kerala-Flair trifft Hafenstadt und Backwaters:

Kochi ist eine Stadt im indischen Bundesstaat Kerala, sie befindet sich im Südwesten des Landes und ist auch als „Cochin“ bekannt. Der Hafen dort soll schon seit 1341 existieren, als eine Flut das Hafenbecken der Stadt aushöhlte und damit für den Handel öffnete. Fort Kochi wurde erst 160 Jahre von den Portugiesen regiert, dann 112 Jahre von den Niederländern und, vor der Unabhängigkeit Indiens im Jahr 1947, noch 152 Jahre von den Briten. All diese Einflüssen spiegelt das Fort mit kolonialen, einstöckigen Ziegelhäusern und verschiedenen Andachtsgebäuden wider. Die chinesischen Bambus-Fischernetze sind für Kochi typisch und werden bereits seit Jahrhunderten genutzt. In der Gegend um Kochi sind besonders Hausboote- und Backwaters-Touren bei Touristen sehr beliebt. Die Backwaters sind ein verzweigtes Wasserstraßennetz im Hinterland. Eine solche Tour mitzumachen hat uns ebenfalls interessiert, also war unser Plan sie vor Ort zu buchen und die restliche Zeit unseres Aufenthaltes das Fort Kochi hauptsächlich zu Fuß gemütlich zu erkunden und gut zu essen.

Unsere Anreise nach Kochi:

Vom Bahnhof „Madgaon“ in Goa fuhren wir mit dem Nachtzug ca. 12 Stunden nach Kochi (Station: Ernakulam Town North). Wir buchten für den Zug wieder die „2A-AC Zweier-Hochbett-Schlafwagen“-Klasse, konnten aber nur noch zwei Schlafbetten in unterschiedlichen Waggons ergattern. Für uns war das kein Problem und die Fahrt verlief sehr ruhig und problemlos. In Kochi angekommen fuhren wir mit einem Tuk Tuk zu unserer Unterkunft in Kochi Fort und bezahlten für die Fahrt von ungefähr 30 Minuten umgerechnet ca. € 4,50.

Unsere Low(er)-Budget Unterkunft in Kochi Fort:

Calvin’s Inn Home Stay: Da wir uns Großteils zu Fuß fortbewegen wollten, war es für uns wichtig eine Unterkunft innerhalb des Forts zu finden, die aber trotzdem in unser Reisebudget passt. „Calvin’s Inn Home Stay“ hat diese Kriterien für uns erfüllt. Wir bezahlten ungefähr € 10,- pro Nacht für ein Doppelzimmer mit eigenem Badezimmer und blieben für 3 Nächte. Das Zimmer war schlicht, aber für den günstigen Preis sehr in Ordnung. Die Besitzerfamilie war freundlich und hilfsbereit, aber man hatte auch seine Ruhe, wenn man wollte. Die Zimmer sind über einige Stufen im oberen Stockwerk zu erreichen und die Familie wohnt im Erdgeschoß. Die Lage fanden wir optimal, denn man war in einem kurzen Fußmarsch bereits an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten und Restaurants im Fort. Nach dem Check-Out durften wir unsere Rucksäcke noch für mehrere Stunden im Haus der Gastgeber stehen lassen. Das Tuk Tuk, das uns bei Abreise wieder zum Bahnhof bringen sollte, buchten wir ganz einfach spontan über die Rapido-App und bezahlten wieder umgerechnet ca. € 4,50 für die Fahrt.

Unsere Aktivitäten & Sehenswürdigkeiten in Kochi:

Fort Kochi: „Fort Kochi“ ist ein charmanter Stadtteil von Kochi und wird auch „Old Kochi“ genannt. Es macht total Freude durch die Gassen, auf teilweise breiten Fußgängerwegen und Straßen mit riesigen Bäumen, vorbei an Häusern im Kolonialstil zu spazieren. Als wir dort waren, hatten wir weniger Lust eine Sehenswürdigkeit nach der anderen zu besuchen und wollten mehr gemütlich spazieren und gut essen. Je nachdem worauf man gerade Lust hat, ist das alles jedenfalls in Fort Kochi möglich. Außerdem fällt mir gerade wieder ein, dass wir in Fort Kochi auch einen ATM gefunden haben, bei dem wir ohne Gebühren Geld beheben konnten. Falls du danach suchst: es war ein Geldautomat der CSB Bank und er befand sich nördlich in der Nähe des „Kalpa Café in Fort Kochi“.

Vasco da Gama Square: Dieser Platz befindet sich in der Nähe der Küste und lädt zu einem Spaziergang ein. Unsere gebuchte Unterkunft war praktischerweise nur ca. 10 Gehminuten von diesem Platz entfernt. Auch abends gibt es hier viel zu sehen. Man findet Verkaufsstände mit lokalen Köstlichkeiten und kann von hier aus gut die berühmten chinesischen Bambus-Fischernetze sehen. Die gefangenen Fische werden direkt zum nahegelegenen Fischmarkt gebracht. Pass gut auf, wenn du auf eine der Fischer-Plattformen eingeladen wirst. Ich habe gelesen, dass danach häufig Geld dafür verlangt wird. Aus einem gewissen Abstand kann man die Fischer auch ganz gut kostenlos bei der Arbeit beobachten.

Santa Cruz Cathedral Basilica: Die Kathedralbasilika Santa Cruz ist eine römisch-katholische Kirche, die 1505 von den Portugiesen gebaut wurde. 1663 wurden die meisten Kirchen von den Niederländern zerstört, diese aber wurde verschont und als Waffendepot verwendet. 1795 waren es dann die Briten, die sie doch abrissen. 100 Jahre später wurde sie wiederaufgebaut et voilà, hier steht sie nun doch. Wir konnten sie leider nur von außen bewundern, da wir genau zu Beginn der täglichen Mittagspause vorbeikamen, in der sie für Besuche geschlossen ist. Auf einem Schild dort stand: An Wochentagen von 10:30 bis 13:00 und 14:30 bis 17:00 geöffnet. Will man also einen Blick hinein werfen, sollte man diese Zeiten unbedingt beachten.

St. Francis Church: Die Franziskanerkirche ist die älteste europäische Kirche in ganz Indien. Der erste Bau der Portugiesen war eine einfache Holzkonstruktion. Die Mönche des Franziskanerordens errichteten sie 1516 mit Mauerwerk und Ziegeldach in fester Bauweise neu. Der denkmalgeschützte Bau war einst Begräbnisstätte des portugiesischen Entdeckers Vasco da Gama, der 1524 hier beigesetzt wurde. Heute erinnert nur noch der Grabstein daran, denn seine Gebeine wurden 1539 nach Lissabon überführt.

Kochi Beach: Der Fort-Kochi-Strand ist ein ungefähr 800 Meter langer Strand, der nur teilweise für Besucher zugänglich ist. Wir haben uns dort an einer Stelle mit einigen anderen Menschen den Sonnenuntergang angesehen und die Krähen bei ihrem Flug beobachtet.

Backwaters-Tour (Wilson Tours): Alle möglichen Touren können natürlich wie überall über Plattformen, wie „Get your Guide“ etc. gebucht werden. Wirklich notwendig ist es aber nicht, denn mitten in Fort Kochi befindet sich das kleine Büro „Wilson Tours“ und dort kann man ganz einfach hin spazieren und eine Tour zu einem wirklich guten Preis buchen. Wir haben eine Backwaters-Tagestour gebucht und dafür umgerechnet ca. € 22,- pro Person bezahlt. Es handelte sich um eine Gruppen-Tour, weshalb wir erst etwas unsicher waren, aber im Endeffekt dadurch viele sehr liebe Menschen kennenlernten. Die ca. sechsstündige Tour ist sorgfältig geplant und bietet viele unterschiedliche Eindrücke. Vor dem Wilson-Tours-Büro fuhren wir morgens mit einem Minibus ca. eine Stunde ins Hinterland. Dort warteten zwei nicht-motorisierte Boote auf uns und die 20 Teilnehmer wurden auf die zwei Boote aufgeteilt. Auf den Booten stand jeweils vorne und hinten ein Mann, der das Boot mit einem langen Bambusstab antauchte. Langsam fuhr man so vorbei an tropischer Landschaft während unsere sympathischen Guides Arya und Meera uns in gutem Englisch viele interessante Informationen zu den Backwaters gaben. Während der Fahrt kann man immer wieder verschiedenste Vögel und manchmal auch Wasserschlangen entdecken und Menschen bei ihrer täglichen Arbeit beobachten. Wir sahen Fischer und auch Frauen, die Wasserpflanzen ernteten. Einen Halt gab es dann in einem Dorf, wo uns gezeigt wurde, wie aus Kokosfasern Schnüre gemacht werden. Von der Kokospalme wird möglichst alles verwertet und so konnten wir auch zusehen, wie Palmwedel für beispielsweise Dachabdeckungen geflochten werden. Ein weiterer Halt war für ein Mittagessen. In einem Resort wurden uns vegetarische keralische Speisen auf einem Bananenblatt serviert. An einer weiteren Stelle wanderten wir durch einen „Spice Garden“, wo uns verschiedenste Pflanzen und Früchte gezeigt und erklärt wurden. Als Abschluss gab es noch eine sehr beruhigende Fahrt mit einem langen Holzboot ohne Dach auf einem schmalen Kanal. Am Ende tranken wir noch Tee und machten ein Erinnerungs-Gruppenfoto, bevor wir wieder mit dem Minibus nach Fort Kochi gebracht wurden. Alles war im Preis inkludiert, aber man konnte, wenn man wollte, an den verschiedenen Stopps Kleinigkeiten erwerben und natürlich den Männern, die das Boot antrieben und den Guides ein Trinkgeld geben. Der Chef von Wilson Tours hat übrigens offenbar auch ein eigenes Homestay, wie wir nach unserer Recherche erfuhren.

Weitere Aktivitäten & Sehenswürdigkeiten auf unserer Liste:

  • Jew Town: Innerhalb des Kochi-Forts gibt es ein jüdisches Viertel, das sehenswert sein soll.
  • Dutch Cemetery: Der Friedhof in Fort Kochi ist der älteste europäische Friedhof Indiens. Er beherbergt über 100 Gräber niederländischer und britischer Kolonialisten. Normalerweise ist der Friedhof geschlossen, aber man kann angeblich über die St. Francis Church Einlass erhalten.
  • Dutch Palace: Der Mattancherry-Palast, allgemein bekannt als Holländischer Palast, ist ein historischer Palast im Stadtteil Mattancherry. Er ist bekannt für seine prächtigen Wandmalereien und königlichen Artefakte.
  • Holy Cross Church Mattancherry (Kuriachante Nada): Die Heilig-Kreuz-Kirche, im Volksmund Kuriachante Nada genannt, soll mit ihrer Bauweise einen ganz einzigartigen Charme versprühen.
  • Dhobi Khana in Mattancherry: Es handelt sich um eine Gemeinschaftswäscherei, die es seit der Kolonialzeit der Niederlänger und Engländer geben soll. Menschen aus der indischen Kaste der „Dhobi“ (= Wäscher) waschen, trocknen und bügeln hier Wäsche nach teilweise traditionellen Methoden.

Lokale und Restaurants in Kochi:

Loving Earth Cafe: Das Loving Earth Cafe war unser absolutes Lieblingsrestaurant. Mit seinem kleinen Innenhof im Garten ist es eine Oase der Ruhe und des Genusses. Die Speisen sind ausschließlich vegan und alle, die wir hatten, waren ausgezeichnet. Leider liegt es im Vergleich preislich im hohen Bereich, aber wir konnten nicht widerstehen und waren mehrmals dort. Die vegane Pizza und den Papaya-Lax werde ich niemals vergessen.

  • Für 2x Pizza, 1x Wasser, 1x Espresso mit Kokosnussmilch, 1x Americano bezahlten wir umgerechnet ca. € 24,30.
  • Für 1x smoked Papaya-Lax, 1x Mezze Platter, 1x Wasser, 1x Lemon Soda, 1x Espresso mit Kokosmilch, 1x Energy Ball, 1x Americano bezahlten wir umgerechnet ca. € 21,50.

Kochi Kapital Kafe: Das Kochi Kapital Kafe ist offenbar sehr beliebt, denn wenn wir dort waren, war es immer ziemlich voll. Vielleicht waren wir auch immer genau zu den Stoßzeiten dort, aber besonders zum Brunch hatten wir Glück und bekamen den gerade noch letzten Tisch. Nach uns ankommende Gäste mussten enttäuscht weiterziehen. Das Essen ist ganz gut, aber natürlich auch nicht günstig.

  • Für 2x Waffles, 1x French Press, 1x Kokossaft bezahlten wir umgerechnet ca. € 13,60.
  • Für 1x Pasta Red Sauce, 1x BuddhaBowl, 1x Karottensaft, 1x Hibiscus-Eistee, 1x Paayasamm bezahlten wir umgerechnet ca. € 17,-.

Trouvaille: Hier gab es eigentlich keine veganen Speisen und auch nur wenig vegetarische Auswahl, aber wir konnten dort sehr gut am Laoptop arbeiten, weshalb wir das Café zweimal besuchten und eher Kaffee und Süßspeisen bestellten. An den Tischen in der Mitte findet man auch Steckdosen.

  • Für 2x Iced Americano bezahlten wir umgerechnet ca. € 4,50.
  • Für 2x Green Tea, 3x Iced Americano, 1x Choco-Caramel-Tarte, 1x Croissant, 1x Vegetarian Pasta Arrabiata bezahlten wir umgerechnet ca. € 17,-.

Master’s Art Cafe: Dieses kleine Restaurant befand sich in der Nähe unserer Unterkunft und war gut geeignet, um günstig zu essen. Wir frühstückten einmal dort und bestellten natürlich „Kerala Pancakes“, um sie zu testen. Mein Fall waren sie nicht, Consti mochte sie sehr. Der Besitzer war total freundlich.

  • Für 2x Kerala Pancakes, 1x Filterkaffee, 1x Pineapple-Juice, 1x Wasser bezahlten wir umgerechnet ca. € 5,30.

Weiterreise zu unserem nächsten Stopp:

Vom Bahnhof Ernakulam Town North, an dem wir auch in Kochi ankamen, fuhren wir wieder weiter mit dem Nachtzug nach Chennai (Station: Chennai Central). Für die Strecke der ungefähr 700 Kilometer brauchte der Zug 12,5 Stunden. Für die Tickets wieder in der „2A-AC Zweier-Hochbett-Schlafwagen“-Klasse bezahlten wir ca. € 21,80 pro Person. Diesmal hatten wir gegenüberliegende Schlafbetten, beide oben.

Das war unser Abenteuer in Kochi. Was sagst du dazu? Könntest du dir vorstellen nach Kochi zu reisen? Warst du vielleicht sogar bereits dort und hast ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht? Lass mich gerne an deinen Gedanken oder Erfahrungen teilhaben. Sollten noch Fragen offen sein, schreibe ebenfalls gerne einen Kommentar unten.

Alles Liebe

Jasmin

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