Chennai – Küstenstadt am Golf von Bengalen:
Chennai ist die Hauptstadt des Bundesstaates „Tamil Nadu“ an der Ostküste Südindiens und liegt am Golf von Bengalen. Um das 1640 gegründete Fort St. George herum soll Chennai während der britischen Kolonialzeit entstanden sein. Unter dem damaligen Namen „Madras“ war die Stadt ein wichtiges Zentrum des britischen Empires in Indien. 1996 wurde der offizielle Name der Stadt in Chennai geändert. Sie liegt am thermischen Äquator, was bedeutet, dass es hier ganzjährig heiß und tropisch feucht ist. Bei unserer Ankunft in Chennai waren wir bereits etwas müde von unserer Rundreise durch Indien und hatten nicht mehr den starken Drang so viele Sehenswürdigkeiten wie möglich zu erkunden. Auf unserer Liste standen zwar einige Punkte, aber auch weil die U-Bahn hier noch nicht so gut ausgebaut war und man dadurch relativ wenig selbstständig entdecken konnte, beschränkten sich unsere Aktivitäten auf einen Tag mit vielen, langen Fußmärschen. Am zweiten Tag probierten wir Streetfood und nutzten die Zeit für die Planung unserer Weiterreise.






Unsere Anreise nach Chennai:
Wir fuhren vom Bahnhof „Ernakulam Town North“ in Kochi mit dem Nachtzug los und kamen nach ca. 12,5 Stunden und ca. 700 Kilometern zurückgelegter Strecke in Chennai (Station: Chennai Central) an. Für die Tickets wieder in der „2A-AC Zweier-Hochbett-Schlafwagen“-Klasse bezahlten wir ca. € 21,80 pro Person. Diesmal hatten wir gegenüberliegende Schlafbetten, beide oben. Die Zugfahrt verlief reibungslos, bis unser Zug kurz vor der Ankunft einen einheimischen Mann erfasste, der gerade die Zuggleise überquerte. Erst wussten wir nicht, was los war und warum der Zug kurz vor dem Ziel so lange zum Stillstand kam. Eine indische Passagierin klärte uns auf und als wir schließlich in den Bahnhof einfahren konnten, sahen wir noch den zur Seite transportierten, leblosen Körper liegen. Ein trauriger Start in diesen Abschnitt unserer Reise…

Unsere Low(er)-Budget Unterkunft in Chennai:
Hotel AKMG Towers – Chennai: Um ehrlich zu sein war es zuerst gar nicht so einfach eine für uns passende Unterkunft in Chennai zu finden. Wir wussten im Vorfeld, dass wir mit dem Zug ankommen und mit dem Flugzeug wieder weiterreisen würden und entschieden uns daher für ein Hotel in der Nähe des Bahnhofs, da von hier aus auch die U-Bahn gut erreichbar war, die uns dann zum Flughafen bringen sollte. Unsere Wahl fiel auf das Hotel AKMG Towers und wir buchten ausnahmsweise über die Plattform Agoda (nicht wie sonst über booking), da wir dadurch einen besseren Preis erzielen konnten. Für unser Doppelzimmer mit eigenem Bad und inkludiertem Frühstück bezahlten wir umgerechnet ungefähr € 21,- pro Nacht und blieben für 3 Nächte. Das Zimmer war für indische Verhältnisse sauber und gut ausgestattet und der Hotel-Service war auch sehr zuvorkommend und freundlich. Diesmal war es ein richtiger Vorteil, dass wir Frühstück dabei hatten. Sonst ist Frühstück für uns oft einengend, da es nur zu bestimmten Zeiten (häufig sehr früh, wenn noch gar kein Hunger besteht) eingenommen werden kann und meist auch schlicht labbriger Toast mit Butter serviert wird. In diesem Fall war das aber ganz anders. Das Frühstück wurde in Form eines kleinen Buffets dargeboten und da in dem Hotel augenscheinlich zum Großteil indische Touristen nächtigen, gab es eine Auswahl an indischen Frühstücksköstlichkeiten, wie Masala Dosa, Idli und Medu Vada und dazu unterschiedliche Dips und Saucen. Wir mochten es so sehr, dass wir uns den Wecker fürs Frühstück täglich gerne stellten. Die Lage des Hotels war für Sightseeing wohl nicht ganz optimal, aber für die An- und Abreise mehr als praktisch. Wer für den Transport zu Sehenswürdigkeiten gerne Tuk Tuks nutzt, wird mit der Lage des Hotels auch weniger ein Problem haben. Wir sind mit der Metro einmal in die Stadt gefahren und dann viel zu Fuß gegangen. Aber die Möglichkeit um ca. 05:00 Früh mit der Metro für umgerechnet ca. € 0,45 pro Person zum von dort 45 Minuten entfernten Flughafen zu gelangen war einfach unschlagbar!






Fortbewegung in Chennai:
Wie bereits erwähnt ist es in Chennai möglich die U-Bahn zu nutzen, die allerdings noch ausgebaut wird und dann hoffentlich ein größeres Gebiet abdecken wird. Wir sind bei unserem Aufenthalt in der Stadt viele Schritte zu Fuß gegangen, aber es ist natürlich auch immer möglich einfach in das nächste Tuk Tuk zu springen und sich an den gewünschten Zielort bringen zu lassen. Zufällig waren wir an einem hinduistischen Feiertag, der insbesondere von Tamilen gefeiert wird, in der Stadt: Thaipusam. Als wir durch die Stadt zum Strand marschierten schlossen wir uns dabei einem kleinen Umzug an. Ein geschmückter Wagen fuhr ganz langsam auf der Straße und hinterließ eine Spur aus bunten Blumen – ein schönes Schauspiel!




Unsere Aktivitäten & Sehenswürdigkeiten in Chennai:
Puratchi Thalaivar Dr. M. G. Ramachandran Central Railway Station: Der Hauptbahnhof von Chennai verbindet nord-südliche und östliche Strecken und dient als wichtiger Umschlagplatz für Regionalzüge, Langstrecken- und Schnellzüge. Das historische Gebäude bildet ein imposanter Backsteinbau in klassisch kolonialem und neoklassizistischem Stil.


Marina Beach: Der Marina Beach ist bestimmt nicht der schönste Strand, an dem wir je waren, aber definitiv einer der längsten. Mit 13 Kilometer Länge soll er einer der längsten Strände Indiens sein. An der breitesten Stelle ist er angeblich 400 Meter breit. Durch die starke Strömung ist es kein Badestrand und da doch auch immer wieder Müll im Sand liegt, lädt er auch nicht unbedingt dazu ein die Schuhe auszuziehen. Die Stimmung fanden wir aber gut und recht entspannt. Besonders zu Sonnenuntergang färbt sich der Himmel in den verschiedensten Farben und bietet ein hübsches Bild. Dann werden auch immer mehr Strandstände aufgebaut und geöffnet und man kann sich durch lokale Köstlichkeiten kosten, wenn man möchte. Wir hätten zum Beispiel sehr gerne „Kulfi“ probiert, ein in Indien sehr beliebtes gefrorenes Dessert, konnten aber leider den ausgesuchten Stand („Marina Nagaraj Kulfi“) nicht finden, da wir vermutlich zu früh dran waren. Von dort spazierten wir den ganzen Weg zu unserem Hotel zu Fuß zurück und brauchten für den schönen Spaziergang ungefähr eine Stunde.







Napier Bridge: Die Napier Bridge ist eine Straßenbrücke über den Coovum River in Chennai. Sie verbindet Fort St. George mit dem Marina Beach und ist eines der historischen Bauwerke und Wahrzeichen der Stadt. Wir passierten sie während unseres Spaziergangs vom Marina Beach zurück zu unserem Hotel.
Lighthouse: Der Leuchtturm am Marina Beach ist von außen nicht unbedingt wunderschön, aber bietet die Möglichkeit für umgerechnet ca. € 0,55 pro Person mit einem Fahrstuhl zur Aussichtsplattform zu fahren und dort den Ausblick auf den langen und breiten Strand zu genießen. Damit dort oben kein zu großer Stau entsteht, ist die Zeit auf 10 Minuten begrenzt. So kann jeder einmal ans Gitter treten und in die Ferne sehen. Geht man unten auf dem Gelände einmal um den Leuchtturm herum, findet man noch ein kleines Museum, oder eher einen Schauraum mit Informationen zum Leuchtturm und der Seefahrt.






Weitere Aktivitäten & Sehenswürdigkeiten auf unserer Liste:
- Mahatma Gandhi Statue: Die Statue befindet sich am Marina Beach. Wir sind zwar vorbei gegangen und haben sie von Weitem gesehen, aber es war alles rundherum abgesperrt, da gerade die Bauarbeiten zur U-Bahn-Erweiterung dort stattfanden.
- Royal Enfield Global Headquaters: Führungen durch das Werk sind, so viel wir gelesen haben, nur mit Voranmeldung und nur an zwei Tagen im Monat möglich. Soll aber für Motorradfans ein absolutes Highlight sein und steht noch ganz oben auf unserer Liste.
- Basilica of Saint Thomas: Die St. Thomas Basilica ist eine römisch-katholische Basilika, die am angeblichen Grab des Apostels Thomas errichtet wurde.
- Kapaleeshwarar-Tempel: Es handelt sich um einen der wichtigsten Hindu-Tempel Chennais. Er befindet sich in Mylapore, einem Stadtteil von Chennai und ist dem Gott Shiva in seiner Gestalt als Kapalishwara gewidmet.
- Arulmigu Sri Parthasarathyswamy Temple: Der Parthasarathy-Tempel ist ein ebenso wichtiger Hindu-Tempel in Chennai, der dem Gott Vishnu gewidmet ist.
- Madras High Court: Der Gerichtshof befindet sich im Stadtteil George Town/Offshore am Rajaji Salai-Korridor, nahe dem Hafenbecken. Der Gebäudekomplex vereint koloniale Elemente mit modernen Ausbauformen.
- Government Museum and Central Museum: Dies ist angeblich eines der größten Museumskomplexe Indiens. Es handelt sich um einen kolonialen Gebäudekomplex mit mehreren Flügeln, großzügige Innenhöfe und geräumige Galerien.
- A. Chidambaram Stadium: Cricket ist die populärste Sportart in ganz Indien. Chennai ist Heimat der „Chennai Super Kings“, einer der Spitzenmannschaften der Indian Premier League. Das Stadion fasst 50.000 Zuschauer, wurde 1916 errichtet und ist eines der ältesten Cricket-Stadien Indiens.
- Theosophische Gesellschaft Adyar: Hier soll es eine wunderschöne Gartenanlage zu sehen geben, allerdings nur zu bestimmten Öffnungszeiten.
- Semmozhi Poonga: Hierbei handelt es sich um eine botanische Gartenanlage in Chennai.
- Connemara Public Library: Dies soll eine der größten öffentlichen Bibliotheken Indiens sein.
- Victoria Public Hall: Dieses historische Veranstaltungs- und Konferenzzentrum wurde in der Kolonialzeit gebaut. Bekannt ist es für seine beeindruckende neugotische Architektur und als Veranstaltungsort für Kultur-, Konferenz- und zivilgesellschaftliche Events.
- Fort St. George Museum: Das Fort St. George Museum (auch bekannt als Government Museum Fort St. George) beherbergt Sammlungen zur Kolonialgeschichte, Geologie, Archäologie und Naturgeschichte.
Lokale und Restaurants in Chennai:
Sri Lakshmi Cafe: Dieses kleine Restaurant sieht wohl nicht allzu häufig westliche Touristen. Es befindet sich direkt ums Eck unseres Hotels und die vielen guten Internet-Bewertungen überzeugten uns, ihm einen Beuch abzustatten. Als wir eintraten, wurden wir von allen indischen Männern im Lokal prüfend beäugt. Auch, wenn wir wohl nicht ganz ins Bild passten, waren alle sehr freundlich und wir bestellten Dosa, die wir mangels Bestecks mit unseren Händen verspeisten. Wie gut, dass wir das zuvor schon üben konnten und uns dabei nicht wie blutige Anfänger anstellten. Wer also eine authentische Dosa-Erfahrung in Chennai möchte, ist im „Sri Lakshmi Cafe“ gut aufgehoben. Das Essen war gut und der Preis unschlagbar!
- Für 2x Masala Dosa, 1x Wasser bezahlten wir umgerechnet ca. € 1,60.

The Brew Room: An einem unserer langen Fußmärsche in Chennai, beschlossen wir eine Pause im „The Brew Room“ einzulegen. Hier kann man in angenehmem Ambiente sehr guten Kaffee genießen. Ein paar kleinere Speisen gibt es auch, aber besonders gefreut habe ich mich über das vegane Bananenbrot.
- Für 2x Iced Americano, 1x Americano, 1x Aeropress, 1x vegan Bananabread, 1x Ricotta-Tomaten-Sandwich bezahlten wir umgerechnet ca. € 17,-.



Shree Vada Pav: Vada Pav ist ein vegetarisches Fast-Food-Gericht, das eigentlich aus dem Bundesstaat Maharashtra kommt und vor allem in Mumbai sehr beliebt ist. Wer es – wie wir – verabsäumt Vada Pav in Mumbai zu probieren, bekommt hier in Chennai noch einmal die Chance, denn laut den Bewertungen im Internet sind die bei „Shree Vada Pav“ mindestens genauso gut, wie die Originale in Mumbai. Das Straßenlokal war von unserem Hotel aus gut zu Fuß erreichbar, also ließen wir es uns nicht nehmen, es zu testen. Wir wurden sofort liebevoll empfangen und die vielen Menschen, die dort anstanden, halfen uns bei der Entscheidung und verwickelten uns in Gespräche. Sie machten sich ein wenig Sorgen, dass es uns zu scharf sein könnte und empfahlen uns Wasser zum Essen dazu zu bestellen. Die kleinen, frittierten Kartoffelknödel, die mit verschiedenen Saucen in ein Brötchen gelegt und mit Chili serviert werden, fanden wir jedenfalls ziemlich gut. Neue, leckere Gerichte probieren (noch dazu zu kleinstem Preis) und freundliche Menschen treffen – was will man mehr?
- Für 2x Vada Pav, 1 Cheese Vada Pav, 1x Samosa Pav, 2x kl. Wasser bezahlten wir umgerechnet ca. € 2,20.




Teaboy: Direkt gegenüber von „Shree Vada Pav“ beschlossen wir noch einen kleinen Masala Chai bei „Teaboy“ zu trinken. Masala Chai wird in Indien überall und zu jeder Tages- und Nachtzeit getrunken. Das beliebte Getränk besteht aus Schwarztee, Milch, Zucker und einer Gewürzmischung. Als Consti dort den Tee in dem kleinen Glas genoss, rief von oben ein Mann, der auf seinem Balkon stand, herunter und erkundigte sich, ob es Consti schmecken würde. Consti zeigte seinen Daumen hoch und lächelte, was den Inder sichtlich erfreute. Ja, der Tee ist den Indern wichtig und auch, ob er bei Fremden genauso gut ankommt.
- Für einen kleinen Masala Chai bezahlten wir hier umgerechnet ca. € 0,17.



Weiterreise zu unserem nächsten Stopp:
Dank der Lage unseres Hotels konnten wir optimal öffentlich zum Flughafen in Chennai gelangen. Recht früh nahmen wir dafür schon die erste U-Bahn in der Nähe des Bahnhofs, die uns in 45 Minuten und für umgerechnet nur € 0,45 pro Person direkt zum Flughafen brachte. Von dort ging unser Flugzeug von der Fluggesellschaft „IndiGo“ bis zum letzten Stopp unserer Indien-Rundreise, der mit dem Auto 1670 Kilometer entfernt gewesen wäre: Kolkata. Für die Strecke brauchte das Flugzeug ungefähr 2 Stunden und der Flug kostete uns € 57,16 pro Person.


Das war unser Abenteuer in Chennai. Was sagst du dazu? Könntest du dir vorstellen nach Chennai zu reisen? Warst du vielleicht sogar bereits dort und hast ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht? Lass mich gerne an deinen Gedanken oder Erfahrungen teilhaben. Sollten noch Fragen offen sein, schreibe ebenfalls gerne einen Kommentar unten.
Alles Liebe
Jasmin
Wo möchtest du jetzt hin?
