Agra - Heimat des Taj Mahal:
Agra ist eine Stadt mit knapp 1,6 Mio. Einwohnern (Daten aus 2011) im nordindischen Bundesstaat „Uttar Pradesh“. Sie ist besonders bekannt für Indiens Wahrzeichen das Taj Mahal, ein Mausoleum, den Großmogul Shah Jahan für seine 1631 im Kindbett verstorbene Frau Mumtaz Mahal erbauen ließ. Natürlich stand Agra noch vor allen anderen Stopps fix auf unserer Liste und wir waren besonders gespannt darauf diesen Ort zu erkunden. Vielleicht war es eben diese Erwartungshaltung, die uns dann im ersten Moment dort einen Dämpfer verpasste. Die Stadt selbst ist nämlich aus unserer Sicht nicht unbedingt sehenswert und hatte für uns jedenfalls keinen besonderen Charme. Vermutlich spielte mit, dass wir in einer dichten Nebelsuppe ankamen, in der man kaum die eigene Hand vor Augen sehen konnte. Dementsprechend aufregend war die Tuk Tuk-Fahrt vom Bahnhof zu unserer Unterkunft. Die Menschen auf den Straßen wirkten dann auf uns im Vergleich zu Varanasi nicht so neugierig und freundlich, sondern fast ein wenig abweisend. Eigentlich ist das auch nicht sehr verwunderlich, denn Agra ist vermutlich die meistbesuchte Stadt Indiens. Wer nach Indien kommt, will oder „muss“ sogar das Taj Mahal sehen, also führt auch kein Weg an Agra vorbei. Bei tagtäglich so vielen Touristen aus allen Ecken der Erde, kann man den Einwohnern Agras wohl auch eine gewisse Abgestumpftheit dem ganzen Thema gegenüber nicht übelnehmen. Und natürlich auch nicht, dass hier vermehrt versucht wird den „reichen Touristen zu melken“. Wir sahen viele Bettler und einige verwahrloste Kinder, deren einziges englisches Wort wohl „Money?“ ist. Besonders um das Areal des Taj Mahal und auch anderer Sehenswürdigkeiten wird man nach dem Eintreffen belagert von selbsternannten Tourguides, die in manchen Fällen fast schon aggressiv ihre Tour anbieten, oder Kindern, die bittend und bettelnd Kühlschrankmagnete mit dem Taj Mahal-Motiv verkaufen wollen. Hier haben wir das erste, aber auch einzige Mal während unserer Indienreise, die Vorurteile zu den unangenehmen und lästigen Indern nachvollziehen können. Beidem konnten wir übrigens nicht entkommen: der geführten Tour, die wir erst nicht wollten und auch dem Taj Mahal-Magneten nicht, der jetzt zuhause unsere Magnet-Wand ziert und ganz nebenbei noch eine besondere Geschichte zu erzählen hat. Im Nachhinein betrachtet bereuen wir beides nicht. Aber beginnen wir erst ganz vorne…




Unsere Anreise nach Agra:
Von Varanasi aus fuhren wir mit dem Zug die 577 Kilometer in ca. 6,5 Stunden nach Agra. Wir hatten großes Glück, dass der Zug planmäßig abfuhr und ankam, denn nach unserer Ankunft erfuhren wir, dass die Züge durch den dichten Nebel sehr häufig Verspätungen hatten oder manchmal sogar ganz ausfielen. Für unsere Tickets in der Sitzplatzkategorie CC AC bezahlten wir umgerechnet € 22,30 pro Person, hatten aber einmal vegetarische Snacks und eine vegetarische Mahlzeit, ähnlich wie sonst im Flugzeug, in der Buchung inkludiert. Die Sitzplätze waren sehr komfortabel und es gab ausreichend Platz für unsere Rucksäcke in den Gepäckfächern über unseren Köpfen. Nach dem Aussteigen am Bahnhof in Agra fuhren wir mit dem ersten Tuk Tuk-Fahrer, der uns ansprach, zu unserem Hotel. Er brachte uns die fast 9 Kilometer in ca. 20-25 Minuten für 300 Rupien (= ca. € 3,40) sicher an unser Ziel und war froh, dass wir zusagten, da wir angeblich seine erste Fahrt für den heutigen Tag, der wohlgemerkt schon fast vorüber war, sein sollten. Natürlich wollte er uns sich selbst als persönlichen Fahrer für die nächsten Tage verkaufen, aber wir blieben unverbindlich, tauschten Telefonnummern aus und bedankten uns für diese Option.





Unsere Low(er)-Budget Unterkunft in Agra:
The Blessings Homestay: Für die Wahl unserer Unterkunft war uns wichtig, dass sie in Geh-Nähe zum Taj Mahal liegt und natürlich vordergründig in eine günstige Preisklasse fällt. Mit umgerechnet ca. € 14,60 pro Nacht erfüllte das „The Blessings Homestay“ diese beiden Erwartungen. Das Zimmer war wirklich nett, auch wenn das Badezimmer wohl eines der gewöhnungsbedürftigsten unserer gesamten Indien-Reise war. Dort gab es nämlich nur kaltes Wasser über den Duschkopf. Für das Waschen mit Warmwasser, musste man dieses in einen großen Kübel laufen lassen und sich mit einem kleineren Messbecher selbst damit begießen. Für unseren Aufenthalt von 3 Nächten war tägliches Waschen und Duschen aber für uns auch so problemlos machbar und mit Constis Hilfe konnte ich sogar einmal meine Haare kopfüber waschen. Alles geht für ein paar Tage irgendwie. Der junge Besitzer und vermutlich älteste Sohn der dort im unteren Stockwerk wohnhaften Familie, konnte sehr gut Englisch und war freundlich und hilfsbereit. Es lag ein Reiseführer von Agra zur freien Nutzung auf und wir konnten ihm jederzeit Fragen per WhatsApp senden, auf die er schnell reagierte. Die Lage war für uns einmalig, da wir in ca. 10 Minuten zu Fuß am Ost-Eingang des Taj Mahal sein konnten.


Unsere Aktivitäten & Sehenswürdigkeiten in Agra:
Taj Mahal: Unsere Tickets für das Taj Mahal kauften wir am Tag unseres Besuches bei einem der Ticket-Automaten. Vor Ort stand eine Arbeitskraft bereit, die uns bei der Eingabe in den Computer half, die anschließende Bezahlung wurde mittels VISA-Karte abgewickelt und betrug umgerechnet € 15,40 pro Person für den Eintritt für westliche Touristen (inklusive Mausoleum). Als wir am Ost-Eingang ankamen, sahen wir schon von Weitem die lange Schlange, die für den Eintritt angestellt war. Wir allerdings konnten an den hauptsächlich indischen Touristen seitlich vorbei und durch einen eigenen Eingang für unsere „High Value Tickets“ gehen. Drinnen mussten sich die Menschen noch einmal in zwei Gruppen, nämlich in Männer und Frauen, getrennt anstellen und es ging zu einem Security-Check. Dort durchliefen Taschen und Rucksäcke einen Computer-Scan und jede Person wurde abgetastet. Ich hatte auf der Reise immer ein kleines Notizbüchlein in meiner Tasche, um anfallende Kosten darin direkt notieren zu können. Die Mitarbeiterin am Security-Check machte mich darauf aufmerksam, dass dies eigentlich nicht erlaubt sei und ich das Notizbuch aber nicht abgeben müsse, wenn ich ihr versprechen würde es während meines Besuchs nicht herauszunehmen oder etwas darin aufzuschreiben. Verstanden habe ich diese Regelung zwar nicht, aber ich war froh, dass ich es behalten durfte. Am Weg zum berühmten Mausoleum kommen dann immer mehr Tourguides auf einen zu und umso länger man stehen bleibt, desto intensiver wird auf einen eingeredet. Wir standen dort auf dem Vorhof eigentlich nur kurz, um eine Infotafel zu lesen und nach unserer freundlichen Ablehnung des Tour-Angebotes, wurde der Guide spürbar sauer. Er erklärte uns recht ungehalten, dass jeder hier einen Tourguide buchen würde und ob uns nicht bewusst wäre, dass es sich beim Taj Mahal um eines der Weltwunder handeln würde. Wir gingen gar nicht auf seine versteckten Vorwürfe ein, schüttelten nur den Kopf und betraten das Taj Mahal-Areal, was uns dann von ihm und den vielen weiteren lauernden Tour-Verkäufern erlöste.
Natürlich war uns bewusst, dass das Taj Mahal zu den sieben Weltwundern der Neuzeit zählt. Außerdem ist es UNESCO Weltkulturerbe. Das Mausoleum aus weißem Marmor ist ein Symbol für die Liebe und wird auch oft als „Ewige Liebe“ bezeichnet. Es wurde im 17. Jhdt. von Mughal-Kaiser Shah Jahan als Mausoleum für seine geliebte Frau Mumtaz Mahal erbaut, die im Kindbett verstarb. Der Bau begann im Jahr 1632 und dauerte bis zur Fertigstellung 22 Jahre. Das Mausoleum, welches heute die Grabmäler von Mumtaz Mahal und auch von Shah Jahan beherbergt, ist von wunderschönen Gärten, Wasserbecken und Minaretten umgeben. Es gilt als eines der schönsten Bauwerke der Welt.
Als wir durch das große Tor traten standen wir vor dem langen Wasserbecken, wie wir es von Bildern aus dem Internet kannten. Klarerweise ist man nicht alleine dort, wie es die Bilder im Internet oft suggerieren. Man sollte schon etwas Zeit und Geduld mitbringen, da jährlich angeblich um die 8 Millionen Menschen aus aller Welt dem wunderschönen Gebäude einen Besuch abstatten. Als unser Blick das lange Wasserbecken entlangwanderte, suchte er am Ende angekommen sprunghaft den Horizont vergebens ab, denn dort wo wir eigentlich das Taj Mahal erwartet hatten, befand sich nur eine dicke Nebelwand. Was das Wetter betrifft war unsere Reisezeit im Jänner bestimmt nicht die ideale und wir waren froh, für diesen Anblick nicht schon vor Sonnenaufgang aufgestanden zu sein, wie ursprünglich angedacht. Für diesen Plan wäre wohl März/April der deutlich bessere Zeitraum. Wir gehen also in die Richtung, in der das Taj Mahal zu vermuten ist, und umso näher wir kommen desto mehr enthüllt sich auch der weiße Gigant vor unseren Augen. Und natürlich ist es wunderschön. Einzig die Atmosphäre passt aus unserer Sicht nicht ganz. Der Umgebungslärm durch die vielen Menschen ist nicht zu unterschätzen und wir fänden Audioguides würden diesem Problem perfekt entgegenwirken. Schade eigentlich, dass es die Möglichkeit dieser Erfahrung dort noch nicht gibt. Man darf sich jedenfalls dort überall frei bewegen und alles so lange bewundern, wie man möchte. Bevor man näher an das Taj Mahal tritt, bekommt man Überzüge für seine Schuhe. Im Inneren gibt es immer wieder Wärter, die anbieten Fotos von dir mit deinem Handy zu machen. Natürlich wollen sie dann im Anschluss dafür Geld, also sei da wie immer wachsam und lege eventuell im Vorfeld einen Betrag fest, wenn du von ihren Diensten gebrauch machen willst.






















Rotes Fort Agra: Direkt nach unserem Besuch des Taj Mahals spazierten wir in ca. 40 Minuten zu Fuß zu dieser Sehenswürdigkeit. Unzählige Tuk Tuk-Fahrer sprachen uns unterwegs an und wollten uns für immer günstigere Preise dorthin bringen. Sie konnten überhaupt nicht nachvollziehen, dass wir einfach gerne zu Fuß gehen wollten. Beim Roten Fort blieben wir erst einmal stehen, um uns zu orientieren und schon stand ein freundlicher Herr neben uns, der uns zeigte, wo die Ticketschalter zu finden seien. Er gab uns noch den Tipp, dass wir mit unseren Tickets vom Taj Mahal günstiger in das Red Fort kommen würden und am Weg zum Schalter gab er sich – wie sollte es anders sein – als Tourguide zu erkennen. Da wir uns im Vorfeld nicht über diese Sehenswürdigkeit informiert haben, fanden wir die Idee einer Begleitung gar nicht schlecht. Da wir des Diskutierens müde waren, einigten wir uns schließlich auf umgerechnet knapp € 32,- für unsere beiden Eintritte und eine geführte Tour, die wie sich dann herausstellte eine Stunde dauern und zusätzlich zum informativen Teil ein paar Shootings für ziemlich kitschige Fotos beinhalten sollte.










Lokale und Restaurants in Agra:
Good Vibes Cafe: Hier waren wir, um zu frühstücken und bestellten Banana-Pancakes, die ganz gut waren. Wir bekamen zusätzlich alle möglichen Saucen und Sirups auf den Tisch gestellt und von der Terrasse, auf der man sitzt, konnten wir die Straße beobachten. Es handelt sich um ein nettes kleines Restaurant mit hübscher Deko.
- Für 2x Banana-Pancakes, 1x Wasser, 2x Schwarztee bezahlten wir umgerechnet ca. € 5,65.




Indian Coffee: In der Nähe des Ost-Eingangs vom Taj Mahal waren wir hier einen Kaffee trinken. Der Kaffee war ganz gut, aber ziemlich überteuert. Dafür gab es Sojamilch für meinen Cappuccino. Die Kinder und der Bruder des Besitzers wurden uns der Reihe nach vorgestellt und alle waren sehr freundlich.
- Für 1x Cappuccino mit Sojamilch und 1x Americano bezahlten wir umgerechnet ca. € 5,65.

Taj Cafe: In diesem Restaurant mit Rooftop-Terrasse aßen wir einmal zu Mittag. Das Essen war sehr gut und der Ausblick von oben auf das Taj Mahal in der Ferne auch ganz nett. Wir waren die einzigen Gäste, wurden freundlich bedient und die Preise waren unschlagbar.
- Für 1x Masala Tea, 1x Samosa, 1x Masala Dosa und 1x Wasser bezahlten wir umgerechnet ca. € 2,80.




Lucky‘s Cafe: In diesem gemütlichen Café haben wir nur Tee getrunken und den Blick durch das Fenster auf das Taj Mahal genossen. Leider gab es (noch/gerade) keine Toilette, da sich der Ort scheinbar im Umbau befand.
- Für 1x Masala Tea und 1x Ginger Black Tea bezahlten wir umgerechnet ca. € 0,80.
Magic of Spice: Da es auf der schönen Rooftop-Terrasse einfach zu kalt war, blieben wir im Innenbereich des Restaurants. Dort liefen indische Tänze auf einem Fernseher in der Endlosschleife. Das Essen und der Service waren gut, keine Frage, allerdings nicht ganz günstig für indische Verhältnisse.
- Für 1x gr. Bier, 1x Dal Makhani, 3x Roti und 1x Garlic Naan bezahlten wir umgerechnet ca. € 13,80.
Joney’s Place: Ein Restaurant, dass es angeblich schon seit 1978 gibt. Es befindet sich unterhalb des Süd-Ausgangs vom Taj Mahal und hat nur ein paar wenige Tische in einem kleinen Raum. Es ist bekannt für sein Malai Kofta, welches wir selbstverständlich probieren wollten. Consti mochte es, mein Fall war es wegen dem vielen Paneer nicht so. Das Gericht besteht aus frittierten vegetarischen Bällchen in einer würzigen Sauce. Ein typisches Gericht der Mogul-Küche. Wer es testen möchte, hat hier die Möglichkeit dazu.
- Für 1x Wasser, 1x Bananenlassi, 2x Malai Kofta, 1x Garlic Naan, 1x Plain Naan und als Nachspeise 1x Bananen-Honig-Naan bezahlten wir umgerechnet ca. € 7,34.


Shankara Vegis: Unweit entfernt waren wir in diesem komplett vegetarisch/veganen Restaurant essen. Da es kalt war, aßen wir im Innenbereich. Der Besitzer unterhält sich gern mit seinen Gästen und das Essen war sehr gut. Es wird außerdem damit geworben Flaschenwasser statt Leitungswasser beim Kochen zu verwenden und die Preise waren auch fair.
- Für 1x Wasser, 1x Mix. Veg., 1x Dal Makhani, 1x Garlic Naan und 2x Plain Naan bezahlten wir umgerechnet ca. € 6,20.

Weiterreise zu unserem nächsten Stopp:
Vormittags ging es für uns in drei Stunden die 195 Kilometer bis Neu-Delhi mit dem Zug weiter. Diesmal hatten wir ein Hochbett im Schlafwagen der Klasse 2A-AC, weil keine anderen Sitzplätze mehr buchbar waren. Für die Tickets bezahlten wir umgerechnet ca. € 13,- pro Person. Da der Zug schon lange vorher über Nacht unterwegs war und unsere Betten scheinbar leer, wurden sie offensichtlich von einer indischen Familie mitbenutzt, die das Feld räumten, als wir ankamen. Bevor wir uns setzen konnten mussten wir die Bänke also erst einmal von einigen Bröseln und Müll befreien. Die Fahrt selbst verlief aber ohne weitere Zwischenfälle und dauerte ja im Gegensatz zu unseren anderen Zugfahrten in Indien nicht sehr lang.




Das war unser Abenteuer in Agra. Was sagst du dazu? Könntest du dir vorstellen nach Agra zu reisen? Warst du vielleicht sogar bereits dort und hast ähnliche oder ganz andere Erfahrungen gemacht? Lass mich gerne an deinen Gedanken oder Erfahrungen teilhaben. Sollten noch Fragen offen sein, schreibe ebenfalls gerne einen Kommentar unten.
Alles Liebe
Jasmin
Wo möchtest du jetzt hin?
